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Strategie: Two-Speed IT

Ausgabe 02/2014: Innovativer und agiler durch Two-Speed IT

In Zeiten der Digitalisierung entscheiden Flexibilität und kurze Reaktionszeiten über Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen. Das gilt für Unternehmen unterschiedlicher Grösse aus allen Branchen. Durch konsequente Nutzung des  "Two-Speed IT"-Ansatzes verfügen Unternehmen über die Möglichkeit, innovativer und agiler zu werden. Bei diesem Modell bedient ein Bereich der IT weiterhin die "klassischen" IT-Anforderungen der Fachbereiche, während der zweite Bereich die Realisierung digitaler Geschäftsmodelle und die damit verbundene IT-Innovation zielgerichtet vorantreiben soll. Diese Fokussierung der IT-Wertschöpfungskette bietet viele Vorteile: kurze Realisierungszeiten, kleine Projektteams, agile Umsetzungsmethoden, schlanke Realisierungsprozesse. So können Unternehmen genauso innovativ und reaktionsschnell wie Start-ups werden.

Die Marktsituation: Neue Wettbewerber

Durch disruptive Technologien verändern sich im zunehmenden Maße die Wertschöpfungsketten von Unternehmen. Dabei werden die existierenden Möglichkeiten der Vernetzung von Liefer- und Leistungsbeziehungen für eine fokussierte Weiterentwicklung von Industrien genutzt. Beispiele hierfür sind die Verknüpfung von Internettechnologien in Autos oder die Nutzung von netzwerkbasierten Sensoren zur Echtzeiterfassung des Stromverbrauchs in der Energiewirtschaft.

Es entstehen dabei neue, digital modifizierte Produkte wie beispielsweise Autos mit direktem Internetzugang oder intelligente Stromzähler mit der Fähigkeit, Teile der restlichen Haustechnik auf Grundlage des Stromverbrauches aktiv zu steuern. Dadurch verändern sich die klassischen, teilweise Jahrzehnte lang gewachsenen Wertschöpfungsketten um digitale Elemente. Alternativ müssen neue digitale Entwicklungs-, Vermarktungs-, und Produktionsstrukturen implementiert werden. Die damit verbundene digitale Transformation erfordert von Unternehmen, schnell und zielgerichtet zu agieren, um ihre bestehende Marktposition nicht nachhaltig zu gefährden.

In einigen Industrien etablieren sich neue Wettbewerber, die über keine klassischen Produktionsketten mehr verfügen, sondern die infrastrukturellen Möglichkeiten des Internets als Grundlage ihrer Wertschöpfungskette nutzen. Dazu zählen beispielsweise Streaming-Dienste in der Unterhaltungsindustire als digitale Konkurrenten von CDs in Musikfachgeschäften oder virtuelle Reisevertriebsplattformen als digitale Wettbewerber von lokalen Reisebüros.

Für Unternehmen ist es eine zentrale Fragestellung, wie sie die Möglichkeiten der zunehmenden Digitalisierung für eine ertragsreiche Weiterentwicklung ihrer Geschäftstätigkeit nutzen. Dadurch sehen sie sich mit der Herausforderung konfrontiert, ihre bestehenden Geschäftsmodelle und Produktportfolios an die Fähigkeiten und Geschwindigkeit ihrer digitalen Wettbewerber anzupassen.
Dabei müssen sie den Spagat zwischen stabilen Erträgen mit klassisch hergestellten Produkten und neu generierten Umsätzen mit digital produzierten Angeboten meistern.

Die wesentliche Herausforderung von digitalen Geschäftsmodellen ist ihre, im Vergleich zu klassischen Geschäftsmodellen, deutlich erhöhte Geschwindigkeitsanforderung. Das betrifft sowohl die Implementierung als auch den gesamten Produktlebenszyklus.

Ihre Herausforderung: Realisierung digitaler Geschäftsmodelle

Nachdem ein Unternehmen die strategische Entscheidung für die Entwicklung und Implementierung eines digitalen Geschäftsmodells getroffen hat, muss die operative Realisierung  in möglichst kurzer Zeit sichergestellt werden. Die bestehenden Organisationen und Infrastrukturen können dazu allerdings oft nicht in ausreichender Form beitragen.

Aufgrund der deutlich höheren Geschwindigkeitsanforderungen der digitalen Wertschöpfung müssen Unternehmen eine Möglichkeit etablieren, zwei unterschiedliche Realisierungsgeschwindigkeiten in ihrer internen Struktur anzubieten. Die oftmals bestehenden Produktions- bzw. Releasezyklen auf Quartals- oder Jahresbasis müssen für die erfolgreiche Implementierung und Nutzung von digitalen Geschäftsmodellen nachhaltig beschleunigt werden.

Dadurch entsteht für die IT die Herausforderung, digitale und klassische Anforderungen gleichzeitig – aber mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten - umsetzen zu müssen. Dabei reicht es oftmals nicht aus, die bestehenden IT-Strukturen einfach nur zu verändern. Vielmehr müssen neue, flexiblere und direktere Realisierungswege für die digitalen Anforderungen in der IT entwickelt werden.

Um eine digitale Realisierungsgeschwindigkeit erreichen zu können, muss die Informationstechnologie in vielen Fällen eine neue Einheit ausprägen, die sich konsequent auf die Realisierung der digitalen IT-Anforderungen konzentrieren kann. Dazu müssen bestehende Strukturen, Vorgehensweisen und Prozesse systematisch überarbeitet und unter dem Aspekt der Geschwindigkeit optimiert werden. Dazu zählen beispielsweise die Releasezyklen bei Anwendungen oder Budgetfreigabeprozesse bei Investitionen im Infrastrukturbereich.

Nach unseren Projekterfahrungen ergeben sich bei der digitalen Transformation von Unternehmen für die Informationstechnologie mehrere zentrale Herausforderungen:

  • Ausprägung einer Start-up Mentalität und Kultur in der Organisation (z.B. durch eine Ausgründung sowie einen anderen Standort)
  • Identifikation bzw. Ausbildung von Ressourcen mit geeigneten Kompetenzprofilen für die Anforderungen der digitalen Welt (z.B. durch gezielte Einstellungen von "digital Natives") 
  • Schaffung von effektiven und effizienten Governance-Mechanismen für Budgetierung, Steuerung und Kontrolle (z.B. durch schlanke Entscheidungsprozesse)
  • Implementierung einer skalierbaren und modularen Produktionsarchitektur (z.B. durch Cloud-Lösungen)

Die Synchronisierung mit der bestehenden Aufbau- und Ablauforganisation ist das wesentliche Erfolgskriterium für die Realisierung von digitalen Geschäftsmodellen in Unternehmen.

Die Lösung: Das Two-Speed IT Framework

Um die Herausforderungen der digitalen Veränderungen adressieren zu können, hat Q_PERIOR in Zusammenarbeit mit seinen Kunden eine modulare Vorgehensweise zur Realisierung von digitalen Geschäftsmodellen entwickelt. Dazu haben wir unsere Projekterfahrungen aus unterschiedlichen Industrien im Q_PERIOR Two-Speed IT Framework strukturiert abgebildet.

Das Two-Speed IT Framework besteht aus den fünf Dimensionen: Governance, Budget, Prozesse, Ressourcen, Produktion. Diese enthalten jeweils konkrete Handlungsoptionen zur Realisierung digitaler Geschäftsmodelle. Um bestmögliche Ergebnisse erreichen zu können, sollten die wesentlichen Handlungsempfehlungen aus allen fünf Dimensionen individuell angepasst und entsprechend umgesetzt werden.

1. Handlungsempfehlungen im Bereich Governance

Anforderungen:
Die Steuerungsstrukturen wie Kontrollinstanzen, Entscheidungswege und Gremien müssen schneller und flexibler auf die digitalen IT-Anforderungen reagieren können.

Beispielhafte Handlungsempfehlungen:

  • Etablierung einer Start-up Kultur mit einem "Innovationsfreiraum"
  • Zusammenarbeit mit kleinen, schnellen Partnern

2. Handlungsempfehlungen im Bereich Budget

Anforderung:
Die Identifikation, Bewertung und Freigabe der finanziellen Mittel zur Realisierung der neuen IT-Anforderungen der digitalen Geschäftswelt muss deutlich beschleunigt werden.

Beispielhafte Handlungsempfehlungen:

  • Entwicklung eines schnell entscheidungsfähigen Budgetprozesses
  • Einführung pauschaler Freigaben für bestimmte Budgettypen

3. Handlungsempfehlungen im Bereich Prozesse

Anforderung:
Die IT-Prozesse müssen schneller und flexibler auf die digitalen IT-Anforderungen reagieren können.

Beispielhafte Handlungsempfehlungen:

  • Einführung von schlanken Prozessen zur Bewertung, Priorisierung und Umsetzung digitaler IT-Anforderungen wie etwa Anforderungsmanagement und Change- und Release-Management.

4. Handlungsempfehlungen im Bereich Ressourcen

Anforderung:
Identifikation, Bewertung und Ausprägung der notwendigen personellen Skills bei den Ressourcen der IT-Organisation.

Beispielhafte Handlungsempfehlungen:

  • Interner Personalbedarfs- und Personalentwicklungsplan für bestehende Mitarbeiter
  • Externer Einkauf von notwendigen Skills durch neue Mitarbeiter

5. Handlungsempfehlungen im Bereich Produktion

Anforderung:
Die IT-Produktion muss in der Lage sein die digitalen IT-Anforderungen möglichst standardisiert, kostengünstig und schnell auf einer skalierbaren Plattform zu implementieren.

Beispielhafte Handlungsempfehlungen:

  • Entwicklung einer Vorgehensweise zur schnellen Bewertung und Implementierung von neuen IT-Funktionalitäten innerhalb der bestehenden Anwendungslandschaft.
  • Aufbau eines geschützten Bereiches, wie zum Beispiel ein Cloud Silo, um eine isolierte Abbildung der geforderten IT-Funktionalität schnell sicherzustellen.


Aufgrund der tiefgreifenden Veränderungen sollte gleichzeitig ein umfangreiches Change Management etabliert werden. Als Ergebnis der Anwendung des Two-Speed IT Frameworks kann die IT eine digitale Realisierungsgeschwindigkeit ausprägen, um die Anforderungen digitaler
Geschäftsmodelle erfolgreich umsetzen zu können.

Dr. Marc Laszlo

Associate Partner

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